Tabuthema Fehlgeburt Teil II – Die Zeit danach

Fehlgeburt - Sternenkind

Letzte Woche habe ich meine ganz persönliche Geschichte zum Thema Fehlgeburt in einem Blogbeitrag mit dir geteilt.  Falls du sie noch nicht gelesen hast, kannst du das hier gerne tun.

Die Zeit nach der Fehlgeburt war schwer. Ich war traurig, enttäuscht und wütend auf mich selbst. Wie ich es nach kurzer Zeit dennoch geschafft habe, wieder neuen Mut und Selbstvertrauen zu fassen, möchte ich dir heute erzählen.

Die Gedanken fahren Achterbahn

Warum? Warum ich? Ich weiß nicht, wie oft ich mir diese Frage gestellt habe. Eine Antwort habe ich natürlich nicht bekommen. Aus ärztlicher Sicht war es ganz klar „ein natürlicher Prozess“, der leider beinahe genauso häufig und selbstverständlich ist für den Körper wie eine normal verlaufende Schwangerschaft. Auch wenn ich wusste, dass mein Baby sehr wahrscheinlich schwere Gendefekte hatte und einfach nicht überlebensfähig gewesen wäre, brach für mich eine kleine Welt zusammen.

Familienzusammenhalt – Schmerzen teilen

In dieser Zeit bekam ich große Unterstützung durch meinen Mann und meine Familie. Wir redeten viel über die Fehlgeburt, aber auch über ganz alltägliche Dinge. Die Ablenkung tat gut und gab mir für den Moment ein Stück Normalität zurück. Es ist wichtig, Trauer zuzulassen, sie nicht zu verdrängen oder in sich hineinzufressen. Wenn ich weinen musste, dann habe ich es getan. Wenn ich darüber reden wollte, dann habe ich es getan. Und wenn ich einfach nur in den Arm genommen werden wollte, dann war immer jemand da, der es tat.

Was viele Außenstehende oftmals vergessen ist die Tatsache, dass nicht nur die Frau ein Kind verloren hat, sondern auch ihr Partner. Gemeinsam zu trauern, sich gegenseitig Mut und Hoffnung zu machen, war für uns sehr wichtig in dieser Zeit. Die Gespräche und der Zusammenhalt haben mir geholfen, wieder aus dem „Loch“ herauszukommen und an mich selbst zu glauben. Und daran, dass weder ich noch mein Verhalten in irgendeiner Weise Schuld an der Fehlgeburt tragen.

Erfahrungsaustausch

Ich hatte so viele Gedanken im Kopf, wollte wissen, wie es anderen ergangen ist, wie sie die schwere Zeit überstanden haben. Egal wo oder was ich im Internet gelesen habe, letztendlich ging es fast allen Frauen ähnlich. Und genau diese Tatsache brachte mich zum Nachdenken. Darüber, dass so viele Frauen dieses Schicksal teilen und ich nicht alleine bin. Vor allen Dingen aber gab mir das Wissen, nicht alleine zu sein, sehr viel Kraft. Der Austausch mit anderen betroffenen Frauen hat mir geholfen, das Geschehene ein Stückchen mehr zu akzeptieren und zu verarbeiten. Vielleicht hast du ja auch in deinem Bekanntenkreis oder deiner Verwandtschaft jemanden, der das gleiche Schicksal teilt und mit dem du dich austauschen kannst.

Selbstvertrauen gewinnen

Ich bin davon überzeugt, dass dies ein sehr wichtiger Schritt ist. Wenn du kein Selbstvertrauen hast, wie willst du dann neue Herausforderungen meistern? Ich hatte auch sehr große Angst vor einer erneuten Schwangerschaft. Die Gedanken kreisten immer und immer wieder um dieses Thema. Was ist, wenn es nochmal passiert? Aber letztendlich war mir klar, dass ich dieses Risiko eingehen und mich der neuen Herausforderung stellen muss, wenn ich mir meinen größten Wunsch, Mama zu werden, erfüllen möchte. Ich wollte an mich selbst glauben, und mir beweisen, dass ich es schaffe. Die größte Hürde hatten wir ja bereits genommen, nämlich die Tatsache, dass ich auf natürlichem Wege ohne Probleme schwanger werden kann. Als mir bewusst wurde, wie glücklich wir uns deshalb schätzen können, konnte ich endlich wieder positiver in die Zukunft schauen. Die Angst war nicht weg, aber ich war bereit, mich ihr zu stellen. Alles zu geben, um dieses Mal mein Ziel zu erreichen. Das mag sich jetzt vielleicht ein wenig so anhören, als ob es reine Kopfsache wäre, ob eine Schwangerschaft gut verläuft oder nicht. Das ist natürlich Blödsinn. Aber ich glaube fest daran, dass eine positive Einstellung, sich auch positiv auf den eigenen Körper auswirken kann.

Ein zweites Wunder

Bester Beweis dafür ist mein Sohn, den ich heute im Arm halten darf. Denn nur kurze Zeit nach der Fehlgeburt wurde ich wieder schwanger. Eine gewisse Angst, dass nochmal etwas passieren könnte, war mein ständiger Begleiter. Allerdings hatte ich sie ganz gut im Griff- und nicht sie mich. Ich habe es geschafft, positiv zu denken und meinem Körper zu vertrauen.

Nach vorne schauen

Für eine Fehlgeburt gibt es vielfältige Gründe und oftmals wusste die Frau noch gar nicht, dass sie überhaupt schwanger ist. Bei mir passierte es noch relativ früh, worüber ich auch sehr froh bin. Jeder weitere Tag hätte die Situation bedrückender und die Trauer noch größer gemacht. Die konkrete Auseinandersetzung mit der Fehlgeburt tat mir gut. Ich habe versucht, das Erlebnis mit positiven Gedanken für mich abzuschließen und nicht weiter nach Gründen zu suchen, warum, wieso und weshalb. Eine Antwort hätte mir sowieso niemand gegeben.

Und genau diese positiven Gedanken möchte ich dir gerne mit auf den Weg geben, wenn du vielleicht Ähnliches durchgemacht hast, oder gerade durchmachen musst. Denke daran, du bist nicht allein! Jede Frau ist anders und geht auf ihre ganz eigene Art und Weise mit einer Fehlgeburt um. Manchen hilft es unglaublich, darüber zu reden, während andere dies einfach nicht können. Trauer ist immer sehr individuell. Wenn sie allerdings so groß wird, dass du sie alleine nicht mehr bewältigen kannst und das Gefühl hast, darin unterzugehen, dann kann ich dir nur ans Herz legen, dir psychologische Hilfe zu suchen. Das ist absolut nichts, wofür du dich schämen müsstest. Im Gegenteil, denn du hast die Chance, dich bei deiner Trauerarbeit von einem erfahrenen Psychologen professionell begleiten zu lassen.

Hier habe ich noch einige Erfahrungsberichte von anderen Frauen gesammelt, bei denen du gerne mal vorbeischauen kannst:

Tabuthema Fehlgeburt – ein Erfahrungsbericht

Stadtlandmama.de  – Erfahrungsbericht Fehlgeburt

jetzt.de/gesundheit – Fehlgeburt Erfahrungsberichte zweier Frauen

Tabuthema Fehlgeburt - Die Zeit danach

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